Aktuell
Entschuldigung, wir leben noch

ksa_signboard_kids_high_e_webErst mal bitten wir herzlich um Verzeihung für die nicht unerhebliche Lücke in unserer Berichterstattung und Kommunikation. Sie ist entstanden durch eine Kombination von verschiedensten meist technischen Unzulänglichkeiten und menschlicher Erschöpfung.

Grundsätzlich laufen unsere Schule 'KidStar Academy' und die sie begleitenden Programme trotz grossen Herausforderungen prima und sind kräftig gewachsen. Allen unterstützenden Kräften deshalb einfach ein riesiges Dankeschön für Ihre Treue!

Seit zwei, drei Monaten sehen wir uns von einer Anfragen-Flut bezüglich der Dürre und Hunger-Katastrophe in Ostafrika überrollt. Gleichzeitig leiden viele Menschen auch hier im Slum schrecklich unter den allein in diesem Jahr um 50-100% höheren Kosten für Grundnahrungsmittel wie Mais, Zucker etc.. Wie wir helfen, steht im nächsten Beitrag (folgt in Kürze).

... Entschuldigung, wir leben noch

Mitternacht in Kibera – rabenschwarz - bis auf ein paar Betrunkene, einige Rudel jaulender wilder Hunde und den Güterzug - endlich Ruhe. Stille. Müdigkeit. Ein Feuer ganz innen hält den Kopf wach. Heisses Blut schiesst durch Füsse und Hirn. Endlich Konzentration auf den zu schreibenden Text für eine Schweizer Lokalzeitung. Sammlung. Sammlung von Gedanken, Ertasten des roten Fadens, der Story, die relevante Aspekte authentisch abdeckt.

Dutzende Begebenheiten aus dem oft Menschen unwürdigen Alltag hier lassen plötzlich und unvermittelt meine Tränendrüsen anschwellen, gleich einer Sturmflut. Salzige Ströme brechen über mein Gesicht. Zum Glück passiert mir so etwas da draussen nie, egal wie krass schlimm die Situation gerade ist. Erkenntnis: ich reflektiere zu wenig, oft nur bei meinen kurzen Aufenthalten in der Schweiz. Reflektieren tut erst mal bitter weh, zu schreiend sind Elend, Ohnmacht und Ungerechtigkeit. Schliesslich wirkt das Aufarbeiten erleichternd, doch dazu kommt es eben oft nicht.

In dieser Nacht wird immer noch kein Zeitungstext niedergeschrieben, sondern erst mal eine andere Form von Papier, Taschentücher, gefüllt und dann zünftig das überreizte Hirn, die blutende Seele, entladen. Lagerort für Gedanken, die innere und äussere Zensur-Filter passieren, ist hier:

Kibera – statt Sicherheit (77 freie Gedanken statt schöner Text)

Alex Weigel, Kibera, August 2011

 

Kibera Slums ... Behausung statt Zuhause, für viele hundert tausend Menschen

Schlamm, Abwasser und enge Korridore statt saubere Strassen und sichere Wege

Ausgelegte Kleider statt Komfort Matratze

Fliegende Plastiksäcke statt freie Toiletten

Langsam statt hastig

'Gangs' statt Schulen

Hilfswerke statt Hilfe

Polygamie statt Familienplanung

Vermeidbare Krankheiten statt verfügbare Ärzte und Medizin

Propaganda statt Information

Wahlkampf statt Politik

Entwürdigt aber würdevoll statt emanzipiert aber duckmäuserisch

Mob-Justiz und 'Kleptokratie' statt Rechtsstaatlichkeit und 'Rule of Law'

Ausbeutung statt Demokratie

Bestechung statt Staats- und Wirtschaftsordnung

Unterdrückung statt Aufklärung

Kinder statt Verhütung

Undichte Leitungen statt trinkbares Wasser

Kollektive Leidensfähigkeit statt individuelle Depression

Business-Krach statt Lärmschutz

'maybe kesho'='vielleicht morgen' statt 'nein!'

Patriarchat statt Mündigkeit

Maschinengewehr (AK-47) und Machete statt Rechtsanwalt und Rechtsprechung

Faust statt Frust

Illegal gebrauter Alkohol statt legale bezahlte Jobs

Schneller Tod statt langes Leben

Spontaneität satt Planung

Lachen statt Klagen

Klagen statt Planen

Jetzt statt Zukunft

Gott statt Religion

Magen und Därme statt Kotelett und Schnitzel

Schuhflicker statt Schuhgeschäft

Kinderarbeit und schwangere Kinder statt Kinderschutz und Schule für alle

Thank you“ statt Fluchen

Klein-Kriminelle statt Gross-Korrupte

Unverschämt statt reflektiert

Bitter arm statt Menschen würdig

Hoffen statt Wissen

Einen Monat Beerdigungs-Festivitäten statt Geld für die Versorgung des Kranken

Sozial und tolerant statt abweisend und stur

Krumm statt gerade — kaputt statt ganz

Schreiende Hass-Prediger statt befreiende Froh-Botschaft

Löchrige Lehmhütte statt sichere Wohnung

Grob statt fein

Aids-Waisen statt intakte Familien

Schwamm statt Badewanne — Plumpsklo statt Dusche

Leckes, verrostetes Wellblech statt Dach über dem Kopf

Grosses 'Kijiji'='Dorf' statt 'Mega-Ghetto'

Malaria, Typhus und Lungenentzündung statt Grippe, Durchfall und Pfnüsel

Kindersterblichkeit statt Selbstmordrate

Hungrig statt satt

Kernseife statt Waschmaschine

Kohlen(-monoxid)-Öfeli statt Glaskeramik-Herd

Über 70% des Einkommens fürs Essen statt Schulgeld für die Kinder

Durchschnittlich 6 Menschen pro Wohnung=Raum/Bett statt Privatsphäre

Flipflop statt Schuhe

Ausgeliefert statt eingegliedert

Bildungsferne statt Menschenrechte

Herzlichkeit statt Reserviertheit

Durch-löcherte, bunt kombinierte Kleider statt durch-gestylter Markenwahn

Maismehl und Zucker statt Weihnachtsgeschenke

Endlose Hürden statt endlich Hilfe

Rücksichtslos Vordrängen statt hinten Anstehen

Dem Gast das letzte Essen bieten statt an morgen denken

God will provide“ statt Versicherung

Drein-reden statt konstruktiv diskutieren

Tageslohn statt Boni

Abfallhügel statt Spielplatz

Freudiges “How are you?!“ statt Fremdenhass

Frech statt anständig

Ghettoisiert statt organisiert

Alle 3 Tage eine Mahlzeit statt 3 Mahlzeiten am Tag

Gen-Mais statt gesund

Tötende Kurzschlüsse statt erleuchtender Strom

Sexuelle Übergriffe statt Schutz für Frauen und Kinder

>>> Gutes sehen und tun statt Negativem Raum geben und resignieren :)

 
Radiomann Reeto von Gunten eröffnet einen 'Fanclub'
Radiomann_ReetoVonGuntenEines schönen Sonntag morgens in Reeto von Gunten's Sendung auf Schweizer Radio DRS 3 kommt die GOOD HEARTS Organisation zu unverhoffter Ehre. Eigentlich ging es nur um einen Song im Radio... Gloria Estefan's 'Conga' - Musik, die bewegt.

Spontan bekommen wir Gelegenheit zu erzählen, wie die Arbeit in Nairobi begann und wie sie wächst. Moderator von Gunten spricht unzählige Hörerinnen und Hörer an, als er Fragen zur Schule in Kibera stellt. Das Echo ist überwältigend. Natürlich sind wir dankbar für die Promotion, da wir uns keine Werbung leisten. Wir wachsen organisch, schrittweise, dafür nachhaltig.

Die 'Fanclub'-Seite von Reeto von Gunten, mit bestem Dank für seinen Respekt!
Und für Ihre Unterstützung.
 
Löcher, Lärm, limitierter Platz: Neue Schulräume sind nötig
Drei unserer ärmsten Schulkinder essen nach dem Unterricht noch Früchte vor der alten SchuleDie Lehmhütte, in der wir die KidStar Academy 2009 begonnen haben, ist eine Notlösung. Kein Platz vor der Schule und auch innen ist mit 3.30 auf 6 Metern die Bewegungsfreiheit für die 40 SchülerInnen zu begrenzt. Die benachbarte Mais-Mühle schafft mit ihrem Geknatter keine prima Lernumgebung. Wind pfeift durch die vielen Löcher, bringt einen staubigen Luftzug, bei starkem Regen fliesst Wasser direkt durch die Schule hindurch Richtung Fluss, das rostige Wellblechdach ist nicht dicht und die Fensteröffnung - ohne Glas oder Gitter - ist klein und nicht sicher verschliessbar, für den Unterricht zu dunkel.
Alles spricht von El Niño. Letztes mal stieg der direkt hinter der Schule verlaufende Soweto-Ngong River höher als die an ihm gebauten Hütten an, schwemmte alles weg. Kurz: die KidStar Academy braucht so schnell als möglich neue Räume.

Im wohl dichtest besiedelten und grössten Slum Afrikas ist es nicht leicht, einen guten Ort zu finden, nicht zu weit weg von der jetzigen Schule. Viele Wochen lang gehen wir dutzenden von Hinweisen und Angeboten nach,
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Praktikantin Johanna bringt Bastelunterricht in die 'KidStar Academy'

 

cards_stacyAm 9. September 2009 tritt Johanna Bestgen aus Dübendorf ihr Praktikum im Projekt an. Hauptziel dieser drei Monate ist, dass die SchülerInnen der 'KidStar Academy' Unterricht erhalten in bildnerischem Gestalten und dass das Resultat in Form von Weihnachtskarten verschickt werden kann.

Der künstlerische Ausdruck kommt bisher im Unterricht klar zu kurz: Es fehlt an geeigneten Materialien und die Lehrerinnen sind nachmittags von 13h-15h, wenn gemäss kenianischem Lehrplan Zeit ist für diese Aktivitäten, selber zu erschöpft für guten Bastelunterricht, vom Einkaufen, Kochen, Unterrichten und Mittagessen bereit stellen.


S
o kommt es, dass die Kinder zum Teil
noch nie mit Schere und Leim umgegangen sind, geschweige denn mit verschiedenen Materialien, wie Seidenpapier, Filz, farbiger Plastikfolie, Air Brush-Stiften oder mit Wasserfarbe. Auch der Umgang mit Faden, kleinen Glasperlen, Glitter- und anderen Dekormaterialien ist ein absolutes Novum.
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Schulausflug zum Tier-Waisen-Zoo
Am Freitag, 26. Juni 2009, früh morgens, ist es so weit: die derzeit 26 Schülerinnen und Schüler der Kidstar Academy haben diesem Zeitpunkt schon seit zehn Tagen mit Freude und Spannung entgegen gefiebert.animalorphanage1_title_small

Zu sehr freundschaftlichen Bedingungen bekamen wir einen recht neuen Schulbus mit Allrad Antrieb von einer Privatschule für diesen besonderen Schultag zur Verfügung gestellt. Am Steuer sitzt immer strahlend Johnny. Er kämpft sich jetzt Meter für Meter den einzigen durchgängigen Weg quer durch den Kibera Slum, den sogenannten 'Bombolulu' hinunter. Natürlich ist auch der Bombolulu keine Strasse, sondern eine zwei bis fünf Meter breite, durch Abwasserrinnen begrenzte Anhäufung von gerade getrocknetem Schlamm und in Plastiksäcken entsorgten Abfällen aller Art. Ein Heer von über 100'000 Menschen trampeln morgens um 6 Uhr täglich auf dem Weg zur Arbeit alles platt, was hier in der letzten Nacht gelandet ist. Unser Fahrer Johnny stammt aus der Zentral-Region, war wie die meisten Kenianer noch nie hier im Slum. Er kennt Kibera aus den Medien.

Es wird eng, links und rechts haben Strassenverkäufer ihre Kleinst-Stände für die Herstellung und den Verkauf von Chapati (1), Mandazi (2), Bananen, Mango, Sukuma (3), Kartoffeln, Rüebli, Kochbananen und Tomaten kunstvoll

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